Wurzen ebnet Weg für neuen Rewe-Markt

Stadtrat verabschiedet Bebauungsplan-Satzung und legt damit Details für den Neubau fest

Am 30. Mai 2012 fühlten Expansionsgebietsleiter Ulli Seyfarth und Investor Klaus Landau erstmals im Technischen Ausschuss des Stadtrates vor. Zunächst hinter verschlossenen Türen und mit einer Botschaft, die allein für die Ohren der Mandatsträger bestimmt war.

Vier Monate später, aber im gleichen Jahr, ging es dann fürs Duo auf Promotiontour – zur Händlerschaft der Innenstadt. Immerhin galt es ein Projekt des Handelskonzerns Rewe Group appetitlich zu machen, dass in Kommunen mit dichtem Discounternetz nur allzu oft für Diskussionen sorgt. Nämlich der Bau eines Lebensmittelmarktes auf dem Areal Dresdener Straße 59.

Dreieinhalb Jahre später ebnete nunmehr das Parlament in seiner letzten Sitzung 2015 den Weg zum Spatenstich und verabschiedete ohne Gegenstimme oder Enthaltung die „Satzung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Doch zuvor galt es für die Volksvertreter, erst einmal die Hinweise der Träger öffentlicher Belange, also von Behörden und Institutionen, sowie von den Anwohnern des künftigen Standortes abzuwägen.

Anhand der Antworten darauf skizzierte die Verwaltung bereits ein detailliertes Bild des künftigen Objektes. Demnach verschwindet der heutige Anblick in Gänze. Das Backsteingebäude, einst Verwaltungssitz des volkseigenen Betriebes Drahtseilwerk Wurzen, fällt dem Abrissbagger zum Opfer – bis auf den blauen Schriftzug „Drahtseilwerk Wurzen“ am Haus. Dieser soll später, so Stadtplaner Carl Rößler, in Absprache mit dem Denkmalschutz eine „neu zu errichtende Mauer“ an der Dresdener Straße zieren. Die Parkplätze entstehen vor dem eigentlichen Rewe-Frischemarkt, der eingerückt mit der Frontseite zur Bundesstraße 6 hochgezogen wird, sowie parallel zur Rosa-Luxemburg-Straße, der Einfahrtsschneise. Ein mindestens siebzig Meter langer Grünstreifen, bepflanzt mit Flachwurzlern, begrenzt das Terrain. Die maximale Gebäudehöhe beträgt den Unterlagen zufolge 8,50 Meter, die maximale Verkaufsfläche 1650 Quadratmeter. Darin integriert ist ein Backshop mit einer festgesetzten Größe von 75 Quadratmetern.

Zum Verkehr heißt es: „Die derzeitige Planung sieht eine Neugestaltung der Einmündung Rosa-Luxemburg-Straße vor. Die vorhandene Fahrbahnbreite liegt im Einmündungsbereich bei etwa 7,40 Meter mit zwei Fahrspuren.“ Angedacht sei, die Zufahrt auf drei Spuren zu verbreitern, um ein besseres Abbiegen zu gewährleisten und Rückstau zu vermeiden. Der Fahrzeugstrom würden von der Rosa-Luxemburg-Straße über die Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße und über die Dresdener Straße verteilt.

Besonderes Augenmerk schenkte das Stadthaus, wie Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) extra anmerkte, den Befürchtungen der Anwohner. Eigens hierfür fertigte die AKIB GmbH, Ingenieurbüro für Bauplanung und Bauphysik in Leipzig, eine Schallimmissionsprognose an – für den Zufahrtsverkehr, die lüftungstechnischen Anlagen, den Liefer- und Parkplatzverkehr sowie für die Geräuschkulisse durch Einkaufswagen. In Folge der Expertise legte die Verwaltung unter anderem fest: Die Anlieferung mit bis zu vier Lkw für den Rewe-Markt und ein Lkw für den Backshop erfolgt nur im Tageszeitraum bis 22 Uhr, „innerhalb der Ruhezeiten mit maximal drei Lkw“. Darüber hinaus müssen die Fahrbahnen des Parkplatzes asphaltiert werden und Einkaufswagen „in lärmarmer Ausführung“ zum Einsatz kommen. Überdies wechselt der Glascontainer-Standort am heutigen Straßenrand auf den Parkplatz.

Ob bereits im Frühjahr 2016 die Abbrucharbeiten beginnen und der Markt dann im Herbst vielleicht öffnet, konnte in der Stadtverwaltung niemand sagen. „Wann es losgeht, ist jetzt Sache des Investors und Grundstückseigentümers. Das Parlament jedenfalls hat den Weg geebnet“, ließ Stadtsprecherin Cornelia Hanspach auf Nachfrage bei Oberbürgermeister Röglin wissen.

VON KAI-UWE BRANDT

Entwurf des künftigen Rewe-Marktes: Vor dem
Neubau entlang der Bundesstraße 6 sowie an
der Rosa-Luxemburg-Straße entstehen die Parkplätze.
Repro: Kai-Uwe Brandt